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20.11.2017 | Oberwesel

Gedenkfeier auf Friedhof St. Martin

Nur wenige Bürgerinnen und Bürger aus der Kernstadt Oberwesel fanden am Sonntagvormittag den Weg auf den Martinsfriedhof. Aus Anlass des Volkstrauertages hatte die Stadt Oberwesel die Bevölkerung zur Gedenkveranstaltung an die Opfer von Krieg und Terror an die Ehrenhalle eingeladen. Wie in all den Jahren hatten sich eine Abordnung des Kolping Blasorchester und der Freiwilligen Feuerwehr bereitgefunden die Feierstunde festlich zu umrahmen. Stadtbürgermeister Jürgen Port dankte denn auch ganz herzlich den Mitwirkenden und erschienenen Bürgerinnen und Bürgern, „dass Sie sich die Zeit nehmen, zu dieser Feierstunde hierherzukommen“.

In seiner Ansprache ging er dann auf die Bedeutung des Gedenktages ein und unterstrich, dass es alles andere als ein allmählich verblassendes, rückwärtsgewandtes Ritual sei. Vielmehr sei das Gedenken sinnvoll, wenn dabei die Mahnung zum Frieden gehört würde und wir bereit seien aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen und die Zukunft besser zu gestalten. Ein wichtiges Element seien dabei die Städtepartnerschaften. So seien mit den Freunden in Chablis langjährige Beziehungen entstanden und die Piliers Chabliens Sektion Oberwesel, sowie der Freundschaftskreis Chablis Oberwesel hob er als Beispiele hervor. Für ihn sind Städtepartnerschaften eine Art Außenpolitik auf kommunaler Ebene. Keine formale Angelegenheit, sondern sie leben und werden gelebt. „Und sie leisten das, was wichtig ist. Denn kann man sich vorstellen, dass der Freund, den man im Rahmen eines Schüleraustausches im Nachbarland kennenlernte und besuchte, oder die Mitglieder der Weinbruderschaft, mit denen man seit Jahren mehr als nur weinselige Verbundenheit pflegt, dass man ihnen gewaltsam und feindselig gegenübertritt? Oder wächst aus der Begegnung nicht viel eher die Erkenntnis, dass bei aller Verschiedenheit in Sprache und Weltanschauung es letztlich Menschen sind, die genau wie wir in Frieden und Zufriedenheit ihr Auskommen haben wollen?“ stellte der Stadtbürgermeister die rhetorischen Fragen, um auch gleich die Antwort aus seiner Sicht zu liefern.

So seien wir aufgefordert, über den eigenen, den nationalen Tellerrand, hinaus zu schauen. Wissen fördere Verstehen, Verstehen fördere Verständnis, und Verständnis sei die Basis eines ehrlichen Austauschs – das seien die Schritte auf dem langen, nie enden wollenden Weg zu Versöhnung, Verständigung und Frieden. In Zeiten wachsender nationalistischer Tendenzen und populistischer Bewegungen gelte es aktiv einzustehen und aufzustehen für Freiheit, Respekt gegenüber dem Anderen und für Demokratie. Dabei stellte Port fest, dass gerade in Europa aber auch weltweit Nationalismus, ja Isolationismus gerade zu nehmen und mancherorts mit dem Feuer gespielt würde. In seinen Augen eine besorgniserregende Entwicklung, die man nicht verschweigen dürfte. Die Politik habe hier noch einige Überzeugungsarbeit zu leisten, um solchen Tendenzen wirksam entgegen zu treten. Dabei ist Europa für ihn alternativlos und „wer daran zweifele sollte die Soldatenfriedhöfe besuchen, die überall in Europa permanentes Zeugnis dafür seien, dass eine heilige Pflicht bleibt, die europäische Freundschaft nicht enden zu lassen“, zitterte er Jean-Claude Junker, den Präsidenten der Europäischen Kommission. Frieden sei ein dauerhafter Prozess für den es gelte alle Kräfte zu mobilisieren, damit die Menschen sich gegen Gewalt als Handlungsoption entschieden. Mit dem Aufruf gemeinsam für den Frieden zu arbeiten, beendete der Stadtbürgermeister seine Ansprache.

Im Anschluss legte er stellvertretend für die Bürgerinnen und Bürger von Oberwesel zum Gedenken einen Kranz nieder.

Pastor Weber betete mit den Anwesenden gemeinsam das „Vater unser“, ehe das Blasorchester der Kolpingsfamilie mit einem Liedbeitrag den Schlusspunkt der Feierstunde setze.