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Die Geschichte der Stadt Oberwesel

Merian Stadtansicht

Das geistliche Oberwesel

Liebfrauenkirche

Ein Rundgang zu den Kirchen und Klosterruinen kann uns heute noch ein Bild davon vermitteln, welche große Bedeutung Kirche und Kleriker im Mittelalter für das religiöse, soziale und wirtschaftliche Leben der Menschen in einer Stadt hatten.

1308 wurde mit dem Bau der heutigen Liebfrauenkirche begonnen. Wegen ihrer roten Außenfassung wird sie auch die „Rote Kirche“ genannt. Besonders zu erwähnen, der Chor als liturgischer Raum der Stiftsherren, ist durch den Lettner, einem Kleinod gotischer Maßwerksarbeit, vom Langhaus getrennt. Im Hochchor steht der Goldaltar – er ist einer der frühesten und wertvollsten Schnitzaltäre des Rheinlandes. Die mächtige Barockorgel wurde 1740 bis 1745 von Meister Eberhardt gebaut und später mehrfach ergänzt.

St. Martinskirche

 

Am nordwestlichen Stadtrand beherrscht die Martinskirche, die „Weiße Kirche“ das Bild der Stadt. Um 1350 begann man mit dem Neubau der gotischen Stiftskirche. Der Kirchturm mit seinen schießschartenartigen Maueröffnungen, ist das imponierendste Beispiel sakraler Wehrarchitektur der Gotik im Rheinland. Im Innern der ehemaligen Stiftskirche fällt zuerst die reiche Ausmalung der Pfeiler und Wände auf. Der barocke Hochaltar wird auf 1682 datiert, die Seitenaltäre sind dem Rokoko verpflichtet.

Sakristei im ehem. Minoritenkloster

Ehe die Franziskaner mit dem Bau einer eigenen Klosterkirche begannen, hatten sie schon 40 Jahre lang in Oberwesel einen Konvent. Den Bedürfnissen eines Predigerordens entsprechend wurde die Kirche ab 1280 als eine asymmetrische, zweischiffige Halle gebaut. In der Blütezeit des Klosters wurde vom Orden eine Lateinschule gegründet. Das Ende kam, als im Zuge der Säkularisation der gesamte Kirchenbesitz auf Betreiben Napoleons am 15. November 1803 für 4000 Francs verkauft wurde.

Mutter-Rosa-Kapelle

Die heutige Mutter-Rosa-Kapelle (ehem. Wernerkapelle) ist nur noch der Chor einer ehemals größeren Hospitalkirche, welcher auf die schon bestehende Stadtmauer aufgesetzt wurde. Bei der Verwüstung der Stadt im Pfälzer Erbfolgekrieg 1688/89 wurden Hospital und Kirche zerstört. Seit 1305 ist ein Hospital mit Kirche in Oberwesel nachgewiesen. Der ursprüngliche Name „Wernerkapelle“ geht auf ein dunkles Kapitel der Stadtgeschichte zurück, als man 1287 die Leiche des Knaben Werner fand und den nie geklärten Mord den Juden von Oberwesel in die Schuhe schob.

Textauszüge aus "Eine Zeitreise durch Oberwesel", erhältlich in der Tourist-Information zum Preis von 7,00 €.

Das adlige Oberwesel

Friedrich von Schönburg

Die Schönburg, deren Anfänge ins 12. Jahrhundert reichen, wurde im 13. Jahrhundert zur Ganerbenburg mit insgesamt drei Bergfrieden erweitert. Während des Dreißigjährigen Krieges war sie bereits im Verfall und wurde 1689 ausgeplündert, niedergebrannt und zerstört. 1790 verstarb der letzte Schönburger. Die Ruine fiel an Kurtrier zurück. Es folgten einige Besitzerwechsel, bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts der deutsch-amerikanische Bankier T. J. Oakley Rhinelander aus New York die Ruine kaufte und restaurieren ließ. 1950 konnte die Stadt Oberwesel sie vom Sohn des Amerikaners zurück erwerben.

Kaum bekannt ist allerdings, dass Friedrich von Schönburg unter mehreren europäischen Königen der berühmteste Heerführer seiner Zeit war, doch nur historisch Bewanderte wissen, dass der in der Schlacht an der Boyne am 1. Juli 1690 durch eine verirrte Kugel gefallene Schönburger Herzog, mit seinem Sieg einen 300 Jahre währenden religiösen Zwist in Irland auslöste.

Das wehrhafte Oberwesel

"Von den zahlreichen altersgrauen Städtchen, die sich im Tal des Mittelrheines auf schmalem Ufersaum aneinanderreihen, zeigt kein anderes ein so eindrucksvolles, noch ganz vom Mittelalter beherrschtes Stadtbild wie Oberwesel..." dies stellte bereits 1922 der Konservator Prof. Dr. Edmund Renard fest.

Von ursprünglich 21 Wehrtürmen entlang der Stadtmauer sind heute noch 16 Türme erhalten. Der Bauverein Historische Stadt Oberwesel ermöglichte es einen weiteren Teil der rund 3 km langen Stadtmauer begehbar zu machen. Vom Hotel "Goldner Pfropfenzieher" vorbei an der Wernerkapelle bis zum Schaarplatz können Besucher auf der Mauerkrone den Ausblick auf den Rhein genießen. Schwindelfreie dürfen auch einen der Wehrtürme besteigen. Der Steingassenturm, schiefer Torturm an der rheinseitigen Stadtmauer, wurde nach Originalvorlagen restauriert und in den begehbaren Teil der Stadtmauer mit einbezogen.

Die Stadtmauer von Oberwesel - eine spannende Geschichte

Der Bauverein Historische Stadt Oberwesel saniert mit Unterstützung der Landesregierung Rheinland-Pfalz und anderer Stellen seit vielen Jahren die mittelalterliche Stadtbefestigung von Oberwesel. Darum ist es jetzt Bürgern und Touristen möglich, über große Teile der Stadtmauer zu wandern. Der Weg über die Mauer kann zu einer spannenden Reise in die Vergangenheit werden.

Maler und Poeten faszinierte schon immer das Stadtbild von Oberwesel, das geprägt ist von zwei Stiftskirchen und der Stadtmauer mit ihren Toren und Türmen. Zum Beleg dafür seien nur wenige Zeilen aus dem Reisetagebuch des französischen Romantikers Victor Hugo zitiert: "Oberwesel ist besonders von den Kriegen des Mittelalters gezeichnet. Die alte Stadtmauer ist von Kanonen- und Gewehrkugeln durchlöchert. Die Einschläge der schweren Eisenkugeln der Erzbischöfe von Trier, die Kugeln der Musketen von Ludwig XIV. und die Kartätschen unserer Revolutionstruppen kann man auf ihr wie auf einem alten Pergament entziffern. Doch heute gleicht Oberwesel einem alten Soldaten, der Winzer wurde. Sein Rotwein ist exzellent."

Die Stadtmauer fasziniert aber nicht nur Touristen und Künstler, sondern auch Historiker. Sie ist schon lange Forschungsobjekt vieler Fachwissenschaftler. Bereits 1922 kam Prof. Dr. Renard zu dem Urteil "Von allen mittelrheinischen Stadtumwehrungen ist diejenige von Oberwesel die umfänglichste, stolzeste und besterhaltene." Das Landesamt für Denkmalpflege in Rheinland-Pfalz schrieb in einem Gutachten: "Die Stadtbefestigung von Oberwesel ist in ihrem mittelalterlichen Bestand weitgehend erhalten; sie gehört zu den bedeutendsten und am besten erhaltenen mittelalterlichen Stadtbefestigungen der Bundesrepublik Deutschland. Sie ist ein wesentliches Element des historischen Erbes, welchen das Mittelrheintal zum UNESCO-Welterbe gemacht hat."

Gold- und Silbermünzen

Viele Gold- und Silbermünzen wurden in Oberwesel geprägt. Schon vor 1370 erhielt (Ober)Wesel als Landstadt des Erzstifts Trier das Münz- und Prägerecht bis zum Ende des Mittelalters. Nochmals belegt wurden nach dem rheinischen Münzvertrag von 1372 die Münz- und Prägerechte an (Ober)Wesel.
Nach dem rheinischen Münzvertrag von 1372 mit den Vertragspartner Köln und Trier, gewährten die Kurfürsten der ehemals freien Reichsstadt (Ober) Wesel eine kurtrierische Münz- und Prägestätte, der damaligen Landstadt des südlichsten Teil des Erzstiftes Trier. Hier in der Münzstätte (Ober) Wesel wurden in großer Zahl Goldgulden, Schillinge, und Weißpfennige geprägt und als offizielles Zahlungsmittel in den Umlauf gebracht. Die Koblenzer Gulden und (Ober) Weseler Gulden wurden gleichzeitig im Vertrag erwähnt und gleich geschätzt, deshalb muss deren Prägung schon vor dem 08. März 1372 begonnen haben. Das wäre dann 1371. Ab diesem Jahr gab es Münzen von (Ober) Wesel mit Angabe der Münzstätte.

In den ersten Goldmünzen von (Ober) Wesel findet sich die Schreibweise:
CONO. = Kuno von Falkenstein 1362 – 1388 Kurfürst zu Trier.

In Oberwesel besteht seit vielen Jahren die Münzgasse. Sie trägt Ihren Namen zur Erinnerung an die kurtrierische Münzstätte (Ober) Wesel, in der im 14.und 15. Jahrhundert Goldgulden, Schilling, und Weißpfennige geprägt wurden. Im Landesmuseum in Trier ist eine sehr große Zahl von Gold und Silbermünzen aus der Münzstätte (Ober) Wesel zu besichtigen. Der älteste Gulden im Landesmuseum Trier, den ich entdeckt habe hat die Nr. F 12,B1 und F3 von 1372. Weiter zu besichtigen bis zum Jahr 1477.
Beschreibung der Vorderseite: Die ersten Goldgulden hatten das Bild des heiligen Petrus unter dem Bogen des Himmelstors, auf einen Säulenknauf. Er hält in der Rechten einen Kreuzstab senkrecht neben sich, und schultert mit der linken einen Schlüssel. Das Himmelstor ist angedeutet durch einen zinnengeschmückten Bogen mit zwei turmartigen Seitenstücken, welche auf schlanken Säulen mit Fensteröffnungen ruhen. Diese Säulen oder Türme haben an der äußeren Seite je ein Häuschen auf einem ausladenden Postament als eine Art Ausflug, durch welche die Erklärung der Darstellung als Himmelstor wahrscheinlicher erscheint. Außen ein Kerbkreis, und innen ein feiner Fadenkreis.

Beschreibung der Rückseite: Runder Dreipass mit eingesetzten Spitzen, gebildet aus einer dicken äußeren Fadenlinie und einer feinen inneren Perllinie. In den äußeren Winkel je drei Kleeblattförmig gestellte Punkte. Inmitten ge-spaltenem Schild mit Trierer Kreuz – und Wappen Minzenberg.

Ein Goldgulden = Maße: 23 mm - 3,510 Gramm
Text der Umschrift lautet:
CONO^ AREP TREVEN = Kuno Erzbischof Trier
Text der Rückseite:
NOVA WESAL MONETA = Neues Weseler Geld.

Auch nachdem sich die vier Kurfürsten zum ersten Münzverein zusammengeschlossen hatten, blieb der Gulden zunächst das einzige von allen Partnern gleichwertige Zahlungsmittel. Der Weißpfennig von (Ober) Wesel war rheinabwärts längst ein gängiges Zahlungsmittel. Der Rechnungswert in den mainzischen und pfälzischen Landen aus dem Vertrag von 1385 war = 11 Heller. Der Gulden sollte 18 Schilling oder 20 ½ Weißpfennige oder 240 Heller gelten.
Der Kaufwert: Ein Goldgulden hatte im 14 Jahrhundert einen Goldwert von 8, bis 10,- RM. Im Jahre 1930 lag der Stundenlohn eines Facharbeiters etwa bei 0.36 RM. Da aber das Gold damals etwa das Zehnfache des heutigen Preises kostete, so war die Kaufkraft des Guldens natürlich etwa zehnmal so hoch als heute. Der höhere Kaufwert ergibt sich aus folgender Preistafel:
Im Jahre 1485 kostete ein fetter Ochsen 4 Gulden.
Der Goldgulden sollte 18 Schilling oder 20,5 Weißpfennige oder 240 Heller gelten.

1 Goldgulden = 13,25 kg Butter Zwei Heller = ein Pfund Fleisch
1 Goldgulden = 60,00 kg Fleisch Acht Heller = ein Pfund Schinken
1 Goldgulden = 900 Stück Eier Neun Heller = ein Pfund Butter

Die letzten Münzen aus der Münzstätte (Ober) Wesel habe ich aufgefunden aus dem Jahr 1477 im Landesmuseum Trier, Film 10, Bild = 10. Es muss darum nicht die letzte Münze gewesen sein, die in der Münzstätte (Ober)Wesel geprägt worden ist. 

Verfasser: Rudolf Henrich • Langgasse 5 • 55430 Oberwesel
Nachweis: Prof. Noss • Landesmuseum Trier