Aushändigung der Landesverdienstmedaille
an Frau Gisela Kuhles
In einer feierlichen Stunde wurde am 16. September 2009 die Verdienstmedaille des Landes Rheinland-Pfalz an Frau Gisela Kuhles aus Oberwesel überreicht. Der erste Beigeordnete der Stadt Oberwesel, Andreas Schmelzeisen, sowie Verbandsbürgermeister Thomas Bungert und Kreisbeigeordneter Reinhard Klauer freuten sich über diese hohe Auszeichnung an Frau Kuhles, welche von Frau Dagmar Barzen, Präsidentin der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord, überreicht wurde.
Laudatio von Frau Dagmar Barzen
Ich freue mich, Sie, sehr geehrte Frau Kuhles, heute in unserem Haus begrüßen zu dürfen. Ich habe gehört, dass Sie Frau Brager oft nach Koblenz begleitet haben. Frau Brager hat den Rhein-Hunsrück-Kreis als Kreisbeigeordnete bei vielen Ordensveranstaltungen vertreten. Mit in unser Haus gekommen sind Sie dann leider nie. Es ging ja immer um andere Menschen, denen wir für ihr Engagement gedankt haben.
Aber heute stehen Sie einmal selbst im Mittelpunkt. Denn auch Sie verbringen seit vielen Jahrzehnten einen großen Teil Ihrer Zeit damit, anderen Menschen zu helfen. Ich weiß, dass Sie sich in der ersten Reihe gar nicht so wohl fühlen. Sonst bleiben Sie im Hintergrund. Packen ohne großes Aufhebens mit an, wo eine helfende Hand gebraucht wird. Und genau dafür möchten wir uns heute bei Ihnen bedanken.
Wie zum Beispiel für Ihre Arbeit beim fahrbaren Mittagstisch in Oberwesel. 1976 gehörten Sie zu den Mitbegründern dieses Angebotes für behinderte, kranke und alte Menschen, die sich nicht mehr selbst versorgen können oder für Familienangehörige von Hilfsbedürftigen.
Frau Brager hatte von der Aktion andernorts gehört und beide waren Sie der Meinung, dass es auch in Oberwesel Bedürftige gäbe, die sich über eine tägliche warme Mahlzeit sehr freuen würden.
Zusammen mit der Ortsgruppe der Katholischen Frauen Deutschlands, der Arbeiterwohlfahrt und dem Deutschen Roten Kreuz schafften Sie auf eigene Kosten die ersten Henkelmänner an. Von Anfang an wurden die Essen in der Küche des Oberweseler Krankenhauses zubereitet. Zuerst wurden sie mit dem eigenen PKW oder sogar mit dem Leiterwägelchen ausgeliefert. Heute stellt die Loreley-Klinik die Autos. Und auch beim Essen hat der Fortschritt Einzug gehalten. Die Mahlzeiten werden in hoch technisierten, wärmespeichernden Boxen für die Auslieferung verpackt.
Täglich gibt es vier verschiedene Menüs zur Auswahl. 15 Mal Menü 1, 2 Mal Leberschonkost, einmal mit und einmal ohne Paprika, ... die Variationen sind nahezu unendlich. Deshalb bedarf es einiger Übung und Kunstfertigkeit, den Wagen so zu packen, dass das jeweilige Essen entsprechend der Route griffbereit steht. Das Auslieferungs-Duo bewältigt pro Tour zwar nur knapp 12 km. Trotzdem sollen zur Zeit 41 Essen in rund 36 Haushalte geliefert werden. Und das warm und innerhalb von knapp 100 Minuten.
Die „alten Hasen“ haben dazu eine höchst effiziente „Park- und-schnell-los-lauf-Technik“ entwickelt. Immerhin müssen Sie Tag für Tag 842 Stufen zurücklegen und insgesamt mehr als 200 kg stemmen. Das hält wirklich fit.
Ihre Kundschaft weiß genau, wann das Essen geliefert wird und erwartet Sie oft schon ungeduldig. Nicht nur, weil sie Hunger haben. Auch, weil Ihr Besuch häufig der einzige Kontakt zu anderen Menschen ist. Jedes freundliche Wort, jede liebe Geste, jedes Lächeln ist für die Menschen ein Hoffnungsschimmer, der sie bis in den nächsten Tag hinein trägt.
Natürlich ist es nicht der Verdienst eines Einzelnen, dass der fahrbare Mittagstisch seit Jahrzehnten so erfolgreich ist. Zur Zeit teilen sich 18 Aktive den Fahrdienst, dazu kommen weitere Unterstützer. In diesem zuverlässigen Team packt jeder mit an und hilft dem anderen aus. Aber Sie – da sind sich alle einig - sind „die gute Seele“ der Gruppe. Von Anfang an sind Sie mit voller Leidenschaft dabei.
Pro Jahr fahren Sie mindestens 120 – 130 Einsätze. Auch springen Sie einmal für andere ein. In Ihrem Rekordjahr waren Sie sogar umgerechnet jeden zweiten Tag unterwegs. Seit über 20 Jahren sind Sie die Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft, kümmern sich um Einteilung und Abrechnung und machen neue Helferinnen und Helfer mit ihren Aufgaben vertraut.
Der fahrbare Mittagstisch ist natürlich nicht die einzige Oberweseler Institution, die Sie unterstützen. Beispielsweise arbeiten Sie von April bis Oktober für die Kulturstiftung Hütte, die sich der Förderung von Kunst, Kultur und Denkmalpflege verschrieben hat. An jedem zweiten Mittwoch-Nachmittag sind Sie die freundliche Dame am Empfang des Kulturhauses.
Daneben haben Sie sich in kommunalen Gremien engagiert. So gehörten Sie 10 Jahre dem Rat der Verbandsgemeinde St. Goar-Oberwesel an. Außerdem brachten Sie Ihre Kenntnisse im Bau- und Umweltausschuss sowie im Sozialausschuss der Stadt Oberwesel ein.
Eine große Verantwortung hatten Sie ebenfalls als Schöffin beim Amtsgericht St. Goar und beim Landgericht Koblenz übernommen. Über 15 Jahre hinweg haben Sie deren Entscheidungen mit Ihrem Wissen und Ihrer Lebenserfahrung bereichert.
Auch darüber hinaus sind Sie gerne hilfsbereit. Wenn jeder ein bisschen erledigt, dann ist die Arbeit schnell vollbracht. Das sagen Sie immer und damit haben Sie Recht. Aber dadurch wird Ihr Engagement noch lange nicht selbstverständlich. Ihre Arbeit ist unbezahlbar. Deshalb soll sie aber nicht unbelohnt bleiben. Ich freue mich, dass unser Ministerpräsident Ihnen als Dank und Anerkennung Ihres großartigen ehrenamtlichen Engagements die Verdienstmedaille des Landes Rheinland-Pfalz verliehen hat.