Geschichte und Geschichten, gekonnt verwoben, begleiten den Oberweseler Nachtwächter Walter Persch auf seinen Rundgängen, mit denen er schon 20.000 Menschen erfreut hat. Eine stolze Bilanz des Mannes, der sich zu seinem 80. Geburtstag, jetzt im August, das größte Geschenk macht: sein Nachtwächter-Büchlein. Dieses, von Jochen von Osterroth journalistisch bearbeitet und illustriert, feierte Premiere vor den TV-Kameras des SWR am 25. Juni.
Walter weiß viel Ungewöhnliches zu berichten. Wussten Sie schon, dass die Asche des berühmten Hofmalers Carl Haag auf der Unterstraße den letzten Frieden fand, ein Salon-Wagen Kaiser Wilhelms als Obdachlosen-Unterkunft von Ochsen nach Dellhofen gezogen wurde, sich Pfropfenzieher-Stammgast Ferdinand Freiligrath, dessen 200. Geburtstag jüngst gefeiert wurde, ständig Geld pumpen musste, und die Familie von der Leyen in Oberwesel außerordentlich begütert war.
Gedichte und Schmankerl in Mundart – zu besseren Verständnis beinhaltet das letzte Kapitel ein Lexikon „weslerisch-deutsch“ – wechseln sich mit historischen Begebenheiten der letzten 2000 Jahre ab. Aber auch die Vorbereitung eines jungen Pfarrers auf seine erste Predigt wird köstlich geschildert. Da mutieren barmherzige Samariter zu warmherzigen Bernhardinern, wird „Himmel sei Dank“ zu „dem Hammel sein Ding“ abgefälscht, und opfert Gott seinen Sohn den Eingeborenen.
Das komplette Repertoire gängiger Nachtwächter-Sprüche mit lokalen Zugaben zieht sich durch dieses Büchlein wie ein roter Faden, und natürlich nimmt das Thema Wein und Rheinromantik viele Seiten in Anspruch, besonders auf der Straußwirtschaften-Runde. Übrigens: Kennen Sie die Straußwirtschaft „ zu den 14 Arschbacken“?
Amüsanter Lesestoff, optisch entsprechend aufbereitet: Dieses Büchlein dient – wie die Nachtwächterführungen selbst – größtenteils einem guten Zweck. In dem Laden-Preis von 9,95 Euro ist ein Obolus für den Bauverein, der altes Gemäuer liebevoll restauriert, enthalten. Erhältlich in der Tourist-Information oder im Webshop unter www.oberwesel.de.
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