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Die Geschichte des Hufeisens auf dem Oberweseler Marktplatz

Auf dem alten, holperigen Marktplatz von Oberwesel ist in Mitten großer und kleiner, länglicher und runder Kopfsteine ein kräftiges, blinkendes Hufeisen fest eingelassen. Das geschah bereits vor Zeiten. Den Marktplatz mit seinen Häusern gab es schon. Die Ringmauer umschloss die Stadt. Also in dieser Zeit - es war damals nur ein ganz schwacher Pastor in Oberwesel - da haben es die Oberweseler einmal ganz schlimm getrieben.
Ohne dem Pastor etwas davon zu sagen, hatten sie hinter der Engehöll den leibhaftigen Teufel zu einem gefährlichen Vertragsabschluss eingeladen. Die Sache schien zunächst verständlich. Denn Petrus hatte zehn Jahre lang immer schlechtes Weinwetter geschickt. Da waren die Winzer natürlich zu allen Schandtaten bereit, zumal der Vogt oben auf der Schönburg ärger soff als je zuvor.

Dass sie dem Teufel jedes Jahr ein Fuder Naturwein versprachen, wenn es einen guten Herbst gäbe, das war denn doch ein bisschen zuviel

Aber sie hatten alles ganz heimlich vereinbart und besiegelt. Die Geschichte kam erst ans Licht, als der Teufel sein Fuder Wein verlangte. Die Weinberge hatten sich gut erholt und die Stöcke hatten nur so "wie dran geschüttelt" getragen. Aber schmecken wollte ihnen der gute Tropfen dennoch nicht, zumal nach der ersten Weinablieferung im Bürgerrat eine starke Opposition gegen diese Abmachung auftrat. Die Winzer wurden ziemlich kleinlaut und stifteten ihre ganzen Mehreinnahmen für die Kirchenbauten, die die Opposition damals antrieb. Sonst hätten die Oberweseler nicht die kostbare Liebfrauenkirche, für die Unterstadt die St. Martins-Kirche und dazu noch die Wernerkapelle gebaut.
Auch im Rattenkloster wurde eine große Kirche errichtet. Aber der Teufel lachte nur zu all den Bauwerken und ließ sich dadurch nicht vertreiben. Jedes Jahr, wenn der Wein gelegt war und endlich goldgelb leuchtete, wurde dem Teufel ein Fuderfass des besten Weins übergeben. Schwarze Rosse mit fremden Männern holten dann den Wein über den Rhein und verschwanden damit hinter dem Bergvorsprung, der seitdem Roßstein genannt wird, aber zuerst probierte der Satan höchstpersönlich. Und wehe, wenn der Tropfen schlecht gewesen wäre. Aber das hätten die Oberweseler sich selbst vorm Teufel nicht nachsagen lassen.

Jahr für Jahr verging. Immer bedrückter wurden die Winzer, die damals den Vertrag abgeschlossen hatten. Bis einer, er soll in dem Haus in der Heiligengasse, wo heute noch der Christophorus in der Mauernische steht, gewohnt haben, sich durch eine Unmenge Tresterschnaps Mut antrank und einen Plan ausheckte. Das Gerüst auf dem Markt, worauf das große Fass für den Teufel gelegt werden sollte, wurde gebaut. Da war dieser Winzer dabei und legte auf die Seite zum Berg hin als Fassunterlagen zwei Bretter, die der Totengräber immer um die offenen Gräber gelegt hatte und die deshalb schon oft gesegnet waren. Der rothaarige Teufel erschien pünktlich zur festgesetzten Stunde. Um die geweihten Bretter machte er verdrießlich einen Bogen und bestieg von der Rheinseite her das Gerüst. Und trotz oder gerade wegen des Ärgers, nahm er einen langen, tiefen Schluck. Dabei hatte er aber nicht aufgepasst, oder sein Schielen war daran schuld.

Er merkte erst, dass dieser Winzer, von dem eine ganze Wolke Tresterduft so sympathisch ausgegangen war, die Keile weggezogen hatte, als das Fass - der schräge Marktplatz ist bekannt - schon rollte. Er sprang zwar schnell zurück, aber sein linker Pferdefuß saß doch schon so bös unter dem Fass, dass er nicht nur ganz gequetscht wurde, sondern auch noch das Hufeisen absprang.

Der Teufel stieß, als das schwere Eichenfass über ihn hinwegrollte, einen fürchterlichen Fluch aus und verschwand, wobei er eine dicke Schicht stinkenden Schwefels zurück ließ.

Das Fass rollte und rollte, und da das Stadttor gerade offen stand, holperte es hindurch, blieb fast noch im Sand stecken, fiel dann aber doch mit einem mächtigen Plumps, als ob vom Schiff Anker geworfen würden, in den Rhein. Er nahm es natürlich mit sich und trug es davon in Richtung Loreley. Als die Zuschauer nach dem hinterlistigen Angriff wieder zu sich kamen, standen sie zunächst wie angewurzelt und erst als der Held des Tages schon den Schwefel zum Räuchern seiner Weinfässer in die blaue Schürze gescharrt hatte und nach Hause ging, begriffen sie jubelnd, dass ihr Vertrag mit dem Satan nun wohl das längst ersehnte Ende gefunden hatte.

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