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16.05.2018 | Oberwesel

Im Zauber des 18. Spectaculums von Oberwesel:

Traditionell alle zwei Jahre zu Pfingsten feiert Oberwesel am Rhein sein mittelalterliches Spectaculum, so auch vom 19. bis zum 21. Mai 2018. Die „Stadt der Türme und des Weines“ im Welterbe Oberes Mittelrhein-Tal verzaubert seine Besucher erneut mit einem dreitägigen Fest, das sich durch Originalität bis ins kleinste Detail von den vielen Nachahmern wohltuend abhebt. Die ohnehin alte Kulisse der Stadtmauern, deren Restaurierung teilweise von den Reinerlösen des Spectaculums mitfinanziert wurde, wird thematisch konsequent in den Stadtkern gezogen.

Einmal mehr wird Modernes wie Reklame aller Art, Garagen-Einfahrten, Verkehrsschilder, große Glasflächen und sogar ganze Hauswände kunstvoll mit Säcken, Leinen und Tüchern abgedeckt. EC-Automaten werden mit „Dukatenscheisser“-Schildern in gotischen Lettern kaschiert, und  Elektrizität ist weitgehend tabu: Galgen mit selbst geschmiedeten Leuchtern und mehr als 2000 selbst gegossenen Kerzenbechern ersetzen die Straßenbeleuchtung. Tausende von flackernden Lichtern tauchen abends die Szene in einen fast gespenstischen Schein.

Auch weitere Erfindungen der Neuzeit gelten als unerwünscht: Jegliche Art von Kunststoffen, Plastikgeschirren, Papptellern und Papierservietten sind auf dem Festgelände ebenso strikt verboten wie Kartoffeln, Fast-Food-Gerichte, Flaschen oder Dosen. Essen wie im Mittelalter nach alten Rezepten ist den entsprechenden Standbetreiben vorgegeben. Rülpsen und Furzen – beispielsweise nach einem kräftigen Stück Wildbrett – sind durchaus statthaft, und für das Verrichten der Notdurft folgt man einfach dem Hinweis „Donnerbalken“. Das Tragen von Armbanduhren, von Handys ganz zu schweigen, hat bei den Teilnehmern – wenn überhaupt – völlig verdeckt zu erfolgen. Nur bei Brillen wird aus Sicherheitsgründen ein Auge zugedrückt.

Volles Programm bis in den Abend

Nach „Corvus Corax“ und „in extremo“ in früheren Jahren bietet das Spectaculum 2018 bereits zum siebenten Mal den lautstarken, begeisternden Auftritt der Gruppe „Furunkulus“. Neben dieser einmaligen Mischung aus „mittelalterlichem Pop und Rock“ empfehlen sich erstmalig auch die Formationen „des Wahnsinns fette Beute“ und Fatzwerk“.

Für viel „Action“ sorgen Ritter-Stunts. So streiten sich die Schwertkämpfer der „ Söldner zu Cöln“ und der „freien Halunken“. Das große Ritterlager in den Rheinanlagen komplettieren mit zwölf Zelten der Wikinger Vakr und seine Normannen, die auch viel Handwerk zeigen. Feuerspeier, Gaukler und Narren, Jongleure und Zauberer sorgen  mit „Forzarello“, „Narrenkai“ und „Jo der Gaukler & Bagage“ für viel Kurzweil. Diese Gaukelei mit viel losem Mundwerk ergänzt Chnutz von Hopfen mit seinen spannenden Geschichten. Ein Figuren-Theater sowie Max Gaudios Schmierentheater, die Aufführungen der Damscheider Theatergruppe und des Kinder- Puppentheaters im Ratskeller warten auf ihr Publikum.  Weitere Attraktionen für Kinder: eine Spielgasse, ein Streichelzoo und ein Scriptorium, in dessen Schreibstube die Kleinen fleißig üben dürfen.

 

Wie gehabt - freier Eintritt für Kinder

Bis zur „Schwertgröße 150“ – also für Kinder bis zum vollendeten 14. Lebensjahr – ist traditionell beim Oberweseler Spectaculum der Eintritt frei. Wer älter ist, bezahlt für eine Tageskarte 14 Euro. Wenig Geld für 12 Stunden mittelalterlicher Aktivitäten auf mehreren Schauplätzen gleichzeitig, zumal im Preis ein Tonbecher mit einem Schönburger Wappenmotiv enthalten ist.

Festliches Hochamt mit einer Uraufführung

Ob Steinmetze, Lehmbauer, Drechsler, Schieferspalter, Stellmacher, Waffenschmiede, Bierbrauer, Seilmacher, Salzsieder, Löffelschnitzer, Laternenmacher, Weinschröter oder Töpfer, die Vielfalt mittelalterlichen Handwerks ist bei diesem traditionellen Spectaculum nicht wegzudenken. In der Schmiede des Eberbacher Hofs, 1312 bereits urkundlich erwähnt, wird wieder kräftig gehämmert, während nebenan das große Lastenrad von Kindern unter Aufsicht in Betrieb gesetzt werden kann. Für das leibliche Wohl sorgen Winzer und Wirte. Traditionell steht der Pfingstsonntag im Zeichen eines festlichen Hochamtes in der gotischen Liebfrauenkirche. Für dieses hat Lukas Stollhof eigens eine „Messe in G“ geschrieben. Ausführende sind der Chor von Liebfrauen und St.Martin, der junge Chor „Carduelis“ sowie diverse hervorragende Solisten und Instrumentalisten. An jedem Tag marschieren die Teilnehmer auf das Festgelände ein, verkünden Landvögte ( Landrat Dr. Marlon Bröhr und VG-Bürgermeister Thomas Bungert ) – im Beisein des Pfalzgrafen bei Rhein (Landtags-Vizepräsident Hans-Josef Bracht) – sowie der Stadt-Schultheiß alias Stadtbürgermeister Jürgen Port  die Regularien.


Zurück ins Jahr 1418

So geschehen in den Mauern von Oberwesel, das auf eine 2000-jährige Geschichte zurückblicken kann, und das beim Spectaculum mit einer 600-jährigen Retrospektive aufwartet. Wir schreiben das Jahr 1418 – unter der Herrschaft des Siegmund von Luxemburg, der sich gerade durch die Verbrennung von Jan Hus den Zorn der Böhmen zugezogen hatte. Immer noch litten die Weseler unter dem verhassten, da maßlosen Kurfürsten, dem Trierer Erzbischof  Werner von Falkenstein. Weil sie ihm nicht huldigen wollten, hatte er 1390/91 Krieg gegen sie geführt und dabei erstmalig in Europa Feuerwaffen eingesetzt.

Im Takt mit der Bahn direkt zum Festgelände

Keine 200 Meter trennen den Oberweseler Bahnhof vom Eingang zum Festgelände am Haag´s Turm, und für günstige, häufige Verbindungen sorgt schon der Rheinland-Pfalz-Takt. Für die Anfahrt längs des Rheines bietet sich der Schienenverkehr ohnehin an. Reizvolle Kombinationsmöglichkeit: hinzu mit einem KD-Schiff und zurück auf der Schiene! Samstag und Sonntag verlängert die Fähre von Sankt Goar ihren Dienst bis kurz vor Mitternacht, damit auch die rechtsrheinischen Fans des spektakulären Abendprogramms auf ihre Kosten kommen.