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Geschichte der Stadt Oberwesel

Bis 15. Jahrhundert

Oberwesel wurde bereits vor der Römerzeit von dem keltischen Stamm der Treverer besiedelt. Der Name ist keltischen Ursprungs. Die Römer, seit 58 v. Chr. am Rhein, richteten wohl 12 v. Chr. in „Vosolvia" eine Militärstation ein. Im 5. Jahrhundert nahmen die Franken das Mittelrheingebiet in Besitz. Sie machten aus der römischen Fiskale „Vosolvia" einen Königshof „Vesalia" / „Wesile" zur Verwaltung des mittelrheinischen Königslandes.

966 schenkte Kaiser Otto I. den Amtsbezirk (Ober-) Wesel (Civitatem Wisilia) mit Leibeigenen und Rechten dem Erzbistum Magdeburg. 1166 gelang es Friedrich I. (Barbarossa), (Ober-) Wesel aus dieser Zughörigkeit wieder zu lösen. Damit waren „Wisele", mittlerweile ein „Oppidium" (befestigte Stadt), und die Schönburg nach 200-jähriger Abhängigkeit von Magdeburg wieder beim Reich. Das Vogteirecht über die Stadt verblieb noch bei den Herren von Schönburg.

1216 übergab Kaiser Friedrich II. Stadt und Burg wieder dem Erzbistum Magdeburg, bis sie 1220 gegen 2.000 Mark Silber an das Reich zurückkamen. Ein Schöffengremium und ein Stadtsiegel künden von der Selbstverwaltung. 1237 wurde (Ober-) Wesel durch Zahlung von 3.000 Mark Silber von der Vogtei der Herren von Schönburg befreit, die weiterhin Reichsministeriale blieben. Sie traten auch bei benachbarten Fürsten in Lehensverhältnisse und gelangten zu immer bedeutenderem Ansehen und Besitz. Die Stadt Oberwesel hatte durch diese Zahlung die freie, volle Reichsunmittelbarkeit erworben, die 1257 durch König Richard von Cornwallis bestätigt und nochmals 1274 von Kaiser Rudolf von Habsburg dokumentiert wurde. Die provisorische Umwallung musste dem gefügten Mauerwerk weichen, die Stadt erhielt ihre Befestigung.

1254 wird Oberwesel Mitglied des Rheinischen Städtebundes. Die Klöster Eberbach, Schönau und Werschweiler besaßen hier Anwesen und Ländereien. Die Gründung des Klosters „Allerheiligen" der Benediktinerinnen (später Zisterzienserinnenkloster und 1802 abgebrannt) geht bis ins 8. Jahrhundert zurück. Das Minoritenkloster, dessen Ruinen in der Oberstraße bis heute noch erhalten sind, war eines der ältesten Franziskanerklöster in Deutschland und besaß bereits 1262 eine bedeutende Lateinschule. Die Mutter-Rosa-Kapelle (Wernerkapelle) wurde als Hospitalkapelle Ende des 13. Jahrhunderts erbaut. Damals besaß die Stadt als einzige am Rhein zwischen Mainz und Koblenz zwei Kollegiatstifte, Liebfrauen und St. Martin, deren Kirchen im 14. Jahrhundert neu erbaut und in den folgenden Jahrhunderten weiter ausgeschmückt wurden. Mit ihren Altären, Epitaphien und Geläuten gelten sie als kunsthistorische Kostbarkeiten von europäischem Rang. Die kleine Katharinenkapelle, die zum Eberbacherhof gehörte, stammt aus dem 15. Jahrhundert.

Kaiser Heinrich VII. verpfändete 1309 und endgültig 1312 Oberwesel und Boppard seinem Bruder Balduin, Erzbischof und Kurfürst zu Trier. Bis zum Ende des alten Reichs verblieb Oberwesel mit den zugehörigen 18 Ortschaften bei Kurtrier. Die um viele Rechte geschmälerte Stadt lehnte sich gegen Kurfürst Werner von Falkenstein 1389 auf, wurde ein Jahr lang belagert und mit Feuergeschützen beschossen (Weseler Krieg). Zur gleichen Zeit war die Schönburg eine große Ganerbenburg geworden, die dem Erzbischof von Trier als Stützpunkt diente.

1500 bis 1900

Die Herren von Schönburg, reich an Gütern und Macht taten sich noch bis zu Beginn des 18. Jahrhunderts im In- und Ausland hervor. Friedrich von Schönburg (1615-1690) war Duke of Leinster, Graf von Mertola, Maréchal de France, Grand von Portugal und Chef der kurbrandenburgischen Truppen. Sein Grab befindet sich in der St. Patricks-Kathedrale in Dublin. Sein Sohn Meinhard wurde in der Westminster-Abtei in London beigesetzt. Die Nachkommen der beiden leben heute auf Schloß Eybach bei Geislingen an der Steige.
Das 19. Jahrhundert entdeckte für seine romantischen Regungen, dass noch immer mittelalterlich anmutende Oberwesel mit seinen Kirchen, seiner Stadtbefestigung und der Burg, seinen alten Häusern und der unvergleichlich schönen Lage am Rhein. Freilich verlor die Stadt durch Feuersbrünste (1802/1836/1850), den Durchbruch der Liebfrauen-/Rathaus-/Koblenzer Straße (1828-1830) und den Eisenbahnbau (1857-1859) viele alten Bauten und Schönheiten. Trotzdem ist es heute noch mit seinen Kirchen, der Klosterruine und der bemerkenswert erhaltenen Stadtumwehrung mit 16 Wehrtürmen ein lebendiges Zeugnis des Mittelalters.

1900 bis 1935

Machen wir aber jetzt einen zeitlichen Sprung in das 20. Jahrhundert, die Zeit zweier Weltkriege und die unselige Zeit des „tausendjährigen Reiches".
Johann Hommer war 1901 Bürgermeister geworden. In Oberwesel wurden ein Wasserwerk und Teile der Kanalisation, sowie 1908 ein eigenes Gaswerk errichtet.
Das Ende des 1. Weltkrieges brachte mit fremden Besatzungen, mit Separatismus und Ausweisungen manches Leid über die Bevölkerung. Die Zeit ging weiter und 1922 wurde die Stadt durch den Anschluss an die Überlandzentrale mit elektrischem Strom versorgt. 1926/27 wurde das Rathaus baulich umgestaltet. 1932/33 baute die Stadt ein neues Krankenhaus mit 74 Betten, das den Namen „St. Werner-Krankenhaus" erhielt.
Im Jahre 1935 feierte Oberwesel seinen ersten Weinmarkt auf dem Marktplatz.

2. Weltkrieg

Der 2. Weltkrieg hinterließ auch in Oberwesel seine Spuren. In der Nacht vom 18./19. Juni 1940 wurden vor Oberwesel durch Treibminen, die ein Flieger, der nachts durch das Tal flog, abgeworfen hatte, der Schleppdampfer „Raab Karcher I" und ein weiterer Lastkahn versenkt, sowie drei weitere Schiffe schwer beschädigt. Am 19. September 1944 entstand durch Brandbomben in der Steingasse ein Großfeuer, dem vier Häuser hier und vier Häuser in der Niederbachstraße zum Opfer fielen. Kleinere Brände in anderen Häusern in der unteren Stadthälfte durch Brandbomben konnten schnell gelöscht werden. In den Jahren 1943-1945 wurden zahlreiche Stollen in die Berghänge getrieben zum Schutz bei Luftangriffen und - wie es hieß - auch beim „Vorrücken feindlicher Erdtruppen durch Artilleriebeschuss". Auch in Oberwesel wurde ein sogenannter „Volkssturm" aufgestellt, dem alle männlichen Personen vom 16. bis 60. Lebensjahr angehören mussten. Am 3. März 1945 fielen abermals Bomben. In der Kirchhausener Straße wurden drei Häuser völlig zerstört, wobei fünf Tote zu beklagen waren. Die Schulchronik verzeichnet dann unter dem 17. März 1945, dass Bürgermeister Schmidt, der damalige Oberweseler Bürgermeister, die Stadt den amerikanischen Soldaten übergab.

1949 bis 1970

Es folgte in den 50er und 60er Jahren ein Neubeginn, den man später als deutsches „Wirtschaftswunder" bezeichnen sollte. August Zeuner wurde 1949 auf zehn Jahre zum Bürgermeister gewählt und unter seiner Leitung begann ein neuer Aufstieg der Stadt. Vorher war in getrennten Wahlgängen von Stadtrat und Amtsvertretung beschlossen worden, dass der hauptamtliche Bürgermeister in Personalunion auch das Amt Wiebelsheim mit den Gemeinden Damscheid, Dellhofen, Langscheid, Perscheid und Wiebelsheim mitverwalten soll. 1951 wurde der städtische Sportplatz am Hafen zu einer modernen Anlage ausgebaut, so dass im gleichen Jahr hier die „Deutschen Leichtathletik-Jugendmeisterschaften" durchgeführt werden konnten. Bald nach 1945 hatte sich gezeigt, dass das Krankenhaus zu klein war, so dass 1949-1951 ein erster Erweiterungsbau erforderlich wurde, der die Bettenkapazität auf 100 erhöhte. Dann hatte die Stadt die Gelegenheit, von dem Deutsch-Amerikaner namens Rhinelander die Schönburg mit umliegendem Gelände käuflich zu erwerben. Dadurch war es möglich, die Burg für die Öffentlichkeit zu erhalten und den Nordteil durch den Verein "Kolpinghaus auf Schönburg" zur „Internationalen Jugendburg" auszubauen, die am 15. August 1953 in Gegenwart von Bundespräsident Prof. Dr. Theodor Heuss und Bischof Dr. Matthias Wehr eingeweiht wurde. Im Krankenhaus wuchs der Bedarf an Betten stetig und 1954 fand die Einweihung eines 2. Erweiterungsbaues statt, mit dem die Bettenzahl auf 130 Betten erhöht wurde. Neu geschaffen wurden außerdem Operationssaal und technische Nebenräume.

Das Gesicht der Stadt wesentlich verändert hat aber dann der Bau der Umgehungsstraße der B 9 in den Jahren 1956-1958. Damit einher ging auch die Verkleinerung des Hafenbeckens, um die Rheinuferpromenade wenigstens etwas zu vergrößern. 1959 wurde Bürgermeister August Zeuner auf weitere zwölf Jahre wiedergewählt, ein überzeugender Vertrauensbeweis für seine bisherige Tätigkeit.
Im gleichen Jahr wurde das Gaswerk von der herkömmlichen Kohlebasis-Gaserzeugung auf eine Flüssiggas-Spaltanlage umgestellt. 1960 errichtete die Stadt eine neue Turnhalle und begründete im gleichen Jahr als eine der ersten Städte in Rheinland-Pfalz eine Partnerschaft mit Chablis; offizieller Austausch der Partnerschaftsurkunden im August 1961. 1962 wurde der zweite Bauabschnitt des Kolpinghauses auf Schönburg in Anwesenheit von Bundeskanzler Dr. Adenauer und Ministerpräsident Dr. Altmeier eingeweiht. Im Juli 1967 wurde das neue Freibad im Niederbachtal eröffnet. Auch beim Krankenhaus blieb die Zeit nicht stehen. Da das Haus nicht mehr den Anforderungen moderner Medizin entsprach und sich das Einzugsgebiet dank des guten Rufes des Hauses wesentlich ausgeweitet hatte, nahm man 1968 die 3. Erweiterung des Krankenhauses in Angriff. Dieser fünfgeschossige Erweiterungsbau wurde am 4. März 1971 feierlich eingeweiht.

1970 bis 1980

Im Juni 1969 stimmte die Verbandsgemeinde der Zielplanung der Bezirksregierung Koblenz von Oktober 1968 betreffend die künftige Gestaltung der Verbandsgemeinde zu, zumal sie sich mit der Schulbezirkseinteilung für eine dreizügige Hauptschule und eine Realschule Oberwesel deckte. Nachdem schon durch Landesgesetz vom 16. Juli 1968 bestimmt worden war, dass die bisher in den Regierungsbezirken Koblenz und Trier bestehenden Ämter als Verbandsgemeinden fortbestehen, wurde durch das Achte Landesgesetz vom 28. Juli 1970 mit Wirkung vom 7. November 1970 u. a. auch die Verbandsgemeinde Oberwesel in dem bisher bestehenden Umfang aufgelöst und eine Verbandsgemeinde Oberwesel mit dem Sitz der Verwaltung in Oberwesel neugebildet aus der Stadt Oberwesel und den Gemeinden Damscheid, Dellhofen, Langscheid, Laudert, Niederburg, Perscheid, Urbar und Wiebelsheim. Die bisher bestehende Personal- und Realunion zwischen der Stadt Oberwesel und der Verbandsgemeinde Oberwesel wurde mit dem gleichen Tage aufgelöst.

Weil die Amtszeit des hauptamtlichen Bürgermeisters der Stadt Oberwesel am 23. Februar 1971 endete, musste ein neuer ehrenamtlicher Bürgermeister gewählt werden, da nun in verbandsangehörigen Gemeinden mit weniger als 5000 Einwohnern der Bürgermeister nur ehrenamtlich tätig sein durfte. Angesichts seiner großen Verdienste um die Stadt während seiner 22-jährigen Amtszeit beschloss der Stadtrat August Zeuner zum neuen ehrenamtlichen Stadtchef zu wählen. Das bisherige Oberweseler Rathaus wurde an die Verbandsgemeinde vermietet.

Ein großer Tag für die Stadt Oberwesel war die Einweihung des neuen Schulzentrums, mit dessen Bau im März 1970 begonnen worden war, am 22. November 1972 in Anwesenheit von Kultusminister Dr. Bernhard Vogel.
Am 22. April 1972 wurde durch Landesgesetz auch die Verbandsgemeinde Oberwesel aufgelöst und die Verbandsgemeinde St. Goar-Oberwesel mit dem Verwaltungssitz Oberwesel neu gebildet. Ende 1973 bzw. Anfang 1974 musste sich Oberwesel von den Franziskanerschwestern verabschieden, die anderer Aufgaben wegen und auch infolge Nachwuchsmangel zum Mutterhaus nach Waldbreitbach zurückgerufen wurden.
Die Verwaltung des Krankenhauses war zum 1. Juli 1972 in die Trägerschaft der Stadt Oberwesel übergegangen, wo sie bis 31. Dezember 1978 verblieb.
In die Stadt Oberwesel eingemeindet wurden zum 1. Januar 1974 auf eigenen Antrag aufgrund von Eingemeindungsverträgen die bisher selbständigen Gemeinden Langscheid, Dellhofen und Urbar. In den Folgejahren wurde dann auch intensiv an der Erfüllung der gegenüber diesen Gemeinden übernommenen Verpflichtungen gearbeitet, u.a. durch Anlage von Kinderspielplätzen, Schaffung eines Kindergartens in Urbar, von Mehrzweckgebäuden, Verbesserung der Sportplätze usw.

Ein Schock nicht nur für die Einwohner von Oberwesel war es, als Unbekannte in der Nacht zum 27. Februar 1975 insgesamt 60 Figuren, darunter allein 57 Figuren des weltbekannten „Goldaltars", aus der Liebfrauenkirche raubten.
Aufgrund einer von Interpol eingeleiteten Großfahndung wurden 47 Figuren Ende Februar in der belgischen Hauptstadt Brüssel und im November 1989 sechs weitere Figuren in einer spektakulären Aktion in Utrecht (Niederlande) sichergestellt.
Im Oktober 1974 zog das Polizeikommando von Oberwesel ab; zuständig war von nun an das Polizeikommando Boppard. Tiefe Trauer herrschte in Oberwesel anläßlich des Todes des langjährigen verdienten Bürgermeisters der Stadt Oberwesel August Zeuner, der im Alter von 63 Jahren verstarb. In der Stadtratssitzung am 17. Januar 1977 wurde Hans Stemick zum neuen Bürgermeister gewählt. Am 5. März 1977 wurde in einer Feierstunde mit Vertretern der Öffentlichkeit von nah und fern das neue Jugendgästehaus des Jugendherbergsverbandes neben der Schönburg eingeweiht. Es verfügt über 189 Betten, mehrere Tagungsräume und einen Konferenzsaal mit 200 Plätzen, ein Schwimmbad und andere zweckentsprechende Räume insbesondere für Behinderte.
Nach einer Bauzeit von mehr als einem Jahr wurde die Stadt Oberwesel und der Ortsteil Dellhofen im November 1977 an die neue Kläranlage Oberwesel angeschlossen.
Das erste Halbjahr 1978 war geprägt von lebhaften Diskussionen um den Landeskrankenhausplan. Zum 1. Januar 1979 wurde ein Krankenhausträger-Verein „Krankenhaus Oberwesel-St. Goar e.V."gebildet, dem in Zusammenarbeit mit dem Luxemburger Orden der „Tertiar Karmelitinnen" die Betriebsführung der beiden Krankenhäuser Oberwesel und St. Goar oblag. Diese Konstellation währte bis zur Rückkehr der Franziskanerinnen von Waldbreitbach zum 1. Juli 1985. Die Stadt Oberwesel hat mit der „Krankenhaus GmbH St. Goar-Oberwesel" einen Erbbaurechtsvertrag zur Überlassung des Grundbesitzes und der Baulichkeiten bis zum Jahr 2045 abgeschlossen. Am 30. August 1980 wurde die herrliche Barockorgel der Liebfrauenkirche nach mehrjähriger Restaurierung durch die Firma Klais (Bonn) fertiggestellt und feierlich eingeweiht.

1980 bis 1990

Johann Peter Josten wurde ab 1. September 1980 neuer Bürgermeister von Oberwesel.
Ein Umbau des Rathauses mit Bau einer Tiefgarage durch die Verbandsgemeinde erfolgte im gleichen Jahr. Ein neues Heimatmuseum in dem Rathausanbau wurde am 15. August 1982 eingeweiht, das aber 1992 geschlossen wurde, da der Raum von der Verbandsgemeinde benötigt wurde. Mit Stimmenmehrheit hat der Verbandsgemeinderat im Dezember 1983 beschlossen, das Freibad Oberwesel, das im Zuge der Aufgabenübergangs-Verordnung zum 1. Januar 1975 ebenso wie das Rhinelander-Stadion und die Schulgebäude einschließlich Turnhalle auf die Verbandsgemeinde übergegangen war, zu schließen.
Am 1./2. Juni 1985 fand in Oberwesel das „Erste mittelalterliche Spektaculum" statt, das sehr viel Anklang fand, zahlreiche Gäste anzog und bis heute in zweijährigem Turnus stattfindet. Im Juli 1988 hat das Bundesverwaltungsamt Köln der katholischen Kirchengemeinde mitgeteilt, dass die Liebfrauenkirche zum „Baudenkmal mit besonderer nationaler und kultureller Bedeutung" erklärt wurde. Am 9. November 1988, 50 Jahre nach der sogenannten „Reichskristallnacht", ließ die Stadt Oberwesel an der ehemaligen Synagoge am Schaarplatz eine Gedenktafel anbringen. Im März 1989 begannen ersten Verhandlungen für eine „Gran-Dorado"-Ferienanlage bei Langscheid.
Wieder einmal, wie schon so oft in vergangenen Jahren, war am 31. Mai 1989 hoher Besuch in Oberwesel: Der Präsident der Vereinigten Staaten, George Bush, und seine Frau Barbara, begleitet von Bundeskanzler Kohl und seiner Gattin Hannelore, weilten in Oberwesel. Sie trugen sich dabei in das „Goldene Buch" der Stadt ein. In dieses mit rotem Leder gebundene Buch haben sich schon viele erlauchten Geister und prominente Besucher eingetragen. 1950 war es Bundespräsident Prof. Heuss, der „zur Erinnerung an ein liebenswürdiges Intermezzo an altvertrauter Stätte" sich in dieses Buch einschrieb. In der Folgezeit waren es u.a. Konrad Adenauer, Nancy Reagan, Frau Loki, die Gattin von Altbundeskanzler Helmut Schmidt, Walter Scheel und Lord Home als damaliger deutscher bzw. britischer Außenminister, Philippe Gonzales, der Ministerpräsident von Spanien, König Olaf von Norwegen, Bundespräsident Heinemann, Jaime Paz Zamora, der Außenminister von Bolivien, Janaki Venkataraman, die Gattin des Präsidenten der Republik Indien, Leia Maria Butros-Ghali, die Gattin des UNO-Generalsekretärs, Jutta Scharping oder der stellvertretende UNO-Generalsekretär Joingjian Jin und viele andere mehr.

Nach Kommunalwahlen wurde am 24. August 1989 Willy Wißkirchen zum neuen Stadtbürgermeister von Oberwesel gewählt. Zur Entlastung insbesondere des Schulbusverkehrs wurde 1989/90 in der Liebfrauenstraße ein Busbahnhof gebaut.

1990 bis heute

Seit dem 13. August 1990 besuchen viele Hundert Kinder den neuen viergruppigen Kindergarten über dem Busbahnhof. Bei der Übergabe des 2,5 Mio.-Mark-Projekts an den Träger, die katholische Kirchengemeinde, sprach Bürgermeister Wißkirchen von dem „schönsten Kindergarten in der Region". Schon im April 1992 mussten die Räumlichkeiten für eine neue fünfte Gruppe in Betrieb genommen werden.
Um einen seit langem gehegten Wunsch nach einem Altenheim zu verwirklichen, wurde am 21. Januar 1991 der „Kolping-Förderverein St. Werner-Krankenhaus und Altenpflegeheim Oberwesel e.V." (jetzt: Kolping-Förderverein Krankenhaus und Altenzentrum Oberwesel e.V.) gegründet. Im Mai 1992 wurde die von St. Goar nach Oberwesel verlegte Gas-Transportleitung und eine Gasregelstation in der Koblenzer Straße in Betrieb genommen und im September das bisher in Oberwesel aufbereitete Gasgemisch durch das Naturprodukt Erdgas ersetzt. Am 28. Juni 1992 fand der erste autofreie Erlebnistag „Tal-total" entlang des Mittelrheines statt, ein wahres Volksfest für alle Radfahrer, das bis heute alljährlich durchgeführt wird.

Nach dreimonatiger Bauzeit wurde am 5. September 1992 das von Grund auf sanierte Rhinelander-Stadion durch Bürgermeister Wolfgang Schmitt an die Sportler übergeben.
Der Ferienpark Loreley oder Gran-Dorado, eines der umstrittensten Projekte der letzten Jahre, wurde im März 1993 endgültig „ad acta" gelegt. Im Mai 1993 ist die Rechtsverordnung zur „Denkmalzone „Historischer Stadtkern und Schönburg Oberwesel" nach langwierigem Verfahren in Kraft getreten und im September 1993 wurde der „Bauverein historische Stadt Oberwesel" gegründet. Ein neuer Funktionstrakt am Oberweseler Krankenhaus wurde nach mehrjährigen Planungen am 4. November 1993 eingeweiht. Das Haus beherbergt u. a. physikalische Therapie-Räume, eine moderne und leistungsfähig Küche, zwei hohen Ansprüchen genügende OP-Säle, und eine geschmackvolle Cafeteria. Im Januar 1994 wurden die Bauarbeiten für ein Neubaugebiet im Stadtteil Urbar für über eine Mio. Mark vergeben und im Mai konnte ein Erweiterungsbau an der Mädchenschule eingeweiht werden. Die Sanierung der Bahnunterführungen an der Niederbach und am Markttor wurden beendet und auch die neu gestaltete Liebfrauenstraße konnte im Rahmen eines Straßenfestes ihrer Bestimmung übergeben werden.

Nach den Kommunalwahlen fand erstmals entsprechend den neuen gesetzlichen Bestimmungen eine Urwahl des Bürgermeisters von Oberwesel statt, die Manfred Zeuner nach einer Stichwahl für sich entschied. Er wurde am 10. August 1994 in sein Amt eingeführt.
Nach über dreijähriger Renovierungszeit und dadurch bedingter Schließung wurde am 24. Dezember 1994 in der Liebfrauenkirche erstmals wieder die heilige Messe gefeiert, ein Freudentag für die Oberweseler.
Das Jahr 1995 begann wieder einmal mit einem Hochwasser, das mit 7,80 m Kauber Pegel im Januar seinen Höchststand erreichte.
Bei der Veranstaltung „Tal-total" Ende Juni 1995 wurde die Route alternativ erstmals durch die Innenstadt Oberwesels geführt, um insbesondere die Gastronomie etwas mehr an dem Besucherstrom partizipieren zu lassen.
Im Dezember hat der Landeskrankenhausausschuss der Umwidmung von 15 Betten der ehemaligen gynäkologischen Abteilung, die im Vorjahr geschlossen worden war, zugunsten einer neuen orthopädischen Fachabteilung eines Wirbelsäulen-Zentrums im Krankenhaus zugestimmt.
Der Ausbau der L 220 zwischen Oberwesel und Engehöll begann im März 1996.
Am 1. Juni fand das mittlerweile „7. Mittelalterliche Spektaculum" statt, dass nach wie vor seine Anziehungskraft hat.
Am 9. Juni wurde der Skulpturenpark durch Staatsministerin Dr. Rose Götte eröffnet.
Zwei Tage lang stand der Stadtteil Urbar im Juni im Zeichen seiner 750-Jahr-Feier.
Beim autofreien Sonntag "Tal-total" eröffnete in diesem Jahr Ministerpräsident Kurt Beck in Oberwesel das Fest.
Im September konnte dann der „Fahrbare Mittagstisch", der täglich älteren Mitbürgerinnen und Mitbürgern eine warme Mahlzeit serviert, auf ein 20-jähriges Bestehen zurückblicken.
Zum 1. Oktober 1996 erhielt das bisherige St. Werner-Krankenhaus Oberwesel zusammen mit dem Krankenhaus in St. Goar den neuen Namen „Loreley-Kliniken St. Goar-Oberwesel".
Eine erfreuliche Mitteilung erhielten die Oberweseler noch gegen Ende des Jahres 1996: Die Landesregierung hatte der Förderung des Altenzentrums Oberwesel als Modellprojekt zugestimmt.

Zurückblickend ist festzustellen, dass es in den vergangenen Jahrzehnten in Oberwesel zahlreiche Veränderungen auch struktureller Art gab. So existierten in den 50er und 60 Jahren noch eine große Zahl von Einzelhandelsgeschäften (z. B. 11 Bäcker, 5 Metzger, 11 Lebensmittelläden, 5 Textilgeschäfte). Der Einzugsbereich umfasste nicht nur die umliegenden Ortschaften, sondern auch die rechte Rheinseite, denn bis 1980 verkehrte noch eine Personenfähre. Oder wer denkt noch daran, dass sich der Stadtrat vor kaum 50 Jahren unter einem Haushaltsabschnitt „Vatertierhaltung" noch Gedanken über den stadteigenen Stier oder Ziegenbock machten musste, dass der Müll noch mit offenem Pferdefuhrwerk abgefahren wurde und auch noch eine Freibank bestand, wo das vom Fleischbeschauer beanstandete, aber wohl noch genießbare Fleisch verbilligt abgegeben wurde. Auch die Berufsschichtung hat sich wesentlich verändert. Den Beruf der Putzmacherin oder des Stellmachers gibt es nicht mehr. Zählte man 1950 beispielsweise noch gut 400 in der Rheinschifffahrt Beschäftigte, so ist deren Zahl heute auf unter 20 abgesunken.

Wenn die Bundesrepublik zur Zeit auch eine Wirtschaftskrise durchmacht und Städte und Gemeinden über finanzielle Engpässe zu klagen haben, so zeigt uns doch ein kleiner Rückblick in die wechselvolle Geschichte Oberwesels, dass es oft weitaus schwerere Zeiten gegeben hat und wir froh sein sollten, als Zeugen der Wiedervereinigung und der Beendigung des Ost-West-Konfliktes heute in Frieden und relativem Wohlstand leben zu können.

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