Oberwesel im Herbst | © Henry Tornow

Bauaufnahme und Stadtbildanalyse in Oberwesel

vom 30. Mai - 4. Juni 2011

Im Rahmen der „Pilotstudie Wohnbestandsentwicklung Oberwesel“, die die Fachhochschule Mainz in Kooperation mit der Stadt Oberwesel 2011/12 durchführt fand vom 30. Mai bis zum 4. Juni die erste von mehreren Kampagnen einer Stadtbildanalyse statt, die vom 8. bis 13. August fortgeführt wird.

Ziel dieser Bauaufnahme an Fassaden und in Kellern der Kirchstraße, Holzgasse, Rosengasse und Schönauergasse war die maßliche Aufnahme des Baubestands in seiner heutigen Form und dessen Wiedergabe in den Maßstäben M=1:100 und M=1:200 als Grundlage für eine Gestaltanalyse dieser Stadtteile. Diese scheinbaren „Rückseiten“ der Stadt entziehen sich dem ersten Eindruck des Besuchers von Oberwesel zunächst, gleichwohl sind sie aber ein wesentlicher Bestandteil des historischen Stadtkerns.

20 Studierende skizzierten, zeichneten und vermaßen Fassaden, die teilweise bis ins 17. Jahrhundert, in ihren Kellern noch weiter zurück reichen. An der Ecke Kirchstraße/Holzgasse wurde ein Abgang in den Untergrund untersucht, der vermutlich Teil eines jüdisches Ritualbades (Mikwe) ist. Zum Teil handelt es sich bei den Häusern aber auch um Baubestand der letzten Jahrzehnte, der sich nicht immer harmonisch ins Stadtbild einfügt – mit einigen bemerkenswerten Ausnahmen gelungener zeitgenössischer Wohnhausarchitektur. Häufig wurden ältere Häuser durch Neubauten ersetzt. Im Zusammenhang dargestellt zeigt sich auf diese Weise, welche Gestaltzusammenhänge und welche Lücken die Wohnbebauung auf diesen scheinbaren “Rückseiten“ der Stadt, die früher – wie die Kirchstraße – Hauptstraßen waren, heute aufweist. Abgesehen von schmerzlichen Verlusten an Bausubstanz, die z. T.  durch eher anonyme Zweckbauten ersetzt wurde war das erstes Ergebnis einer Haus für Haus durchgeführten Baualterskartierung die Erkenntnis, dass das „mittelalterliche“ Oberwesel zu einem ganz wesentlichen Teil aus durchaus wohlgestalteter Alltagsarchitektur der späten Gründerzeit des 19.  und des beginnenden 20. Jahrhunderts besteht. Die teilweise explizit herbeigeführte rheinromantische Gestaltprägung der Zeit um die letzte Jahrhundertwende ist damit für die Gesamtstadt durchaus prägender, als das Bild der „Stadt der Türme und des Weins“. Dieser Spur werden die nachfolgenden Bauaufnahme-Kampagnen weiter folgen, die auch 2012 und in den folgenden Jahren fortgesetzt werden. Die Fachhochschule Mainz sucht weiterhin Hauseigentümer, die in den genannten Straßenzügen sowie in der Unterstraße den Studierenden Zutritt zu Kellern gewährt.

Ein erstes Zwischenergebnis wird bei der 2. Bürgerversammlung des Projekts am 8. August im Ratssaal in Oberwesel vorgestellt.

Bauaufnahme | © Stadt Oberwesel

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Vortrag erste Bürgerversammlung

Hier kann der gesamte Vortrag der 1. Bürgerversammlung am 6. April 2011 mit Darstellung der Bauaufnahme angesehen und heruntergeladen werden (pdf, ca. 6,5 MB)